Effekthascherei

Letzter Bearbeitungsstand: 03.05.2019

Jüngst wurde mir mein Fahrrad gestohlen. Es ist schon über 30 Jahre alt. Da ich damit täglich zur Arbeit fahre, war der Diebstahl für mich ein herber Verlust. Wenn Menschen etwas genommen wird, ohne dass dafür der marktgerechte Preis entrichtet wird, sprechen Ökonomen von einem negativen externen Effekt. Externe Effekte lassen sich internalisieren, indem der verursachte Schaden – hier das entwendete Fahrrad – nachträglich ersetzt wird. Nicht von der Versicherung, sonst würde ihr der externe Effekt überbürdet, sondern vom Verursacher, dem Dieb.

Entlang den Ausfallstraßen unserer Städte reiht sich häufig Wohnblock an Wohnblock. Im Verhältnis zu ruhigen Stadtlagen sind die Mieten recht günstig und ziehen daher insbesondere sozial schwache Bevölkerungskreise an. Einige Mieter wohnen hier schon seit mehr als 30 Jahren. Damals, das weiß auch ich als Fahrradfahrer zu berichten, gab es noch viel weniger Autoverkehr: weniger Lärm, weniger Gedränge, weniger Schadstoffe.

Die langjährigen Mieter dieser Wohnbauten glichen beim Bezug der Wohnung die Miete und die Verkehrsbelastung gegeneinander ab und gelangten sodann zum Entschluss, die Räumlichkeiten anzumieten. Heute fühlen sie sich betrogen und bestohlen. Aufgrund des Verkehrs muss man den Umweg zur nächsten Ampel in Kauf nehmen, um die Straße zu überqueren, der Verkehrslärm hält die Menschen in den Sommermonaten davon ab, die Fenster zu öffnen, die Schadstoffbelastung verschmutzt Fenster und Fassade, sie führt zu Hustenreiz und Atembeschwerden und verkürzt die Lebenserwartung. Diesen Menschen wurde Lebensqualität gestohlen.

Wer ist der Dieb? Die größte Beute machen die Fahrer von SUVs. Ihre Fahrzeuge wiegen fast zwei Tonnen und verbrauchen dementsprechend viel Kraftstoff. Na ja, und was oben ´reinkommt, kommt unten irgendwie wieder heraus: Feinstaub, Stickoxide und CO2. Leisten können sich diese Fahrzeuge die Bewohner der Randbezirke, die auf einem gut bezahlten Arbeitsplatz im Zentrum ihre Tätigkeiten verrichten. Ist das nicht Robin Hood rückwärts? Wer schon hat, der nimmt sich, wer nicht hat, dem wird genommen.

Das erlebe ich als Fahrradfahrer übrigens auch, wenn mich ein SUV überholt. Häufig passen zwischen meinem Fahrradlenker und dem rechten Außenspiegel des Fahrzeugs gerade einmal zwei Handbreit. Und angehupt wird man zudem: Bahnfrei für die Titanen der Straße. Ist das gesunder Menschenverstand?

Für den SUV spricht die sog. passive Sicherheit. Im Fall eines Unfalls gelten die Newtonschen Gesetze. Der Aufprall einer schweren Masse auf ein Hindernis führt zu einer zeitlichen Verlängerung des Bremsvorganges und mildert daher die abrupt einsetzenden Fliehkräfte ab. Fußgänger und Fahrradfahrer werden platt gefahren oder hoch über das Dach geschleudert, Kleinfahrzeuge erleiden einen Totalschaden, viele Insassen dieser Fahrzeuge sterben. Der SUV-Fahrer selbst bleibt dagegen unversehrt – abermals ein Geschäft auf Kosten der anderen.

Viele Menschen glauben, dass die Gesetze der Märkte, das Bestehen einer wettbewerbsfähigen deutschen Wirtschaft danach verlangt, solche Kolosse, in denen manchmal ein dicker Mann, ein anderes Mal eine sehr schlanke Frau einsam am Steuer sitzt, zu produzieren. Liefert nicht gerade der Niedergang der Produktion des gigantischen Airbus A 380 das Gegenbeispiel? Ein effizientes Wirtschaften, das weiß jeder Volkswirt, verlangt danach, die negativen externen Effekte zu internalisieren. Das heißt Besteuerung der zusätzlichen CO2-Belastung, der zusätzlichen Feinstaubbelastung, des zusätzlichen Verkehrslärms – alles verpackt in einem weiteren Aufschlag auf den Kraftstoffpreis.

Nützt dieses den Bewohner der Wohnghettos an den Ausfallstraßen? Ja! Von der Maßnahme geht der Anreiz aus, beim Kauf stärker auf den Benzinverbrauch des Fahrzeugs zu achten. Kleinere Fahrzeuge werden gekauft, es wird weniger Auto gefahren – und das Fahrradfahren wird attraktiver.

Mein Fahrrad habe ich übrigens wieder. Mitarbeiter der Straßenmeisterei fanden es einsam an einem Sportplatz abgestellt – ein positiver externer Effekt.

Fast hätte ich es vergessen, von SUVs gehen aber auch positive externe Effekte aus. Wenn ich von den Titanen der Straße dicht überholt werde, zieht mich der Fahrtwind ein Stück mit – ein Gefühl, als ob man auf einem E-Bike säße.

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